„Der Freischütz“ Open Air- Oper in Sinsteden

Ein zumindest kleines „Jubiläum“ konnte jetzt die Reihe „Open Air Oper im Espresso-Format“ im Kulturzentrum Sinsteden feiern: Zum mittlerweile fünften Mal gastierte jetzt dort der von der Sopranistin Désirée Brodka gegründete Verein „Music to go e.V.“ . Auch diesmal lockte ein Klassiker, nämlich der „Freischütz“ von Carl Maria von Weber, eine stattliche Zahl von Musikbegeisterten zur wiederum als Opernbühne umgestalteten Remise des Kulturzentrums.

In der kurz nach dem 30-Jährigen Krieg im böhmischen Wald spielenden Oper leibt der Jäger Max ( Tenor Jihoon Do aus Korea) Agathe (Sopranistin Maria-Eunju Park), die Tochter des Erbförsters Kuno. Um Agathe heiraten zu können, muss Max einen Probeschuss bestehen. Doch er hat Angst zu versagen.

Der zwielichtige Jäger Kaspar (Bassist Dumitru Madarasan aus Rumänien) bietet Max an, mit ihm Freikugeln zu gießen, die ihr Ziel niemals verfehlen. Sieben Kugeln werden hergestellt – sechs treffen sicher, die siebte steht unter der Macht des Bösen.

Max schießt beim Probeschuss auf eine Taube. Die Kugel trifft jedoch Agathe, der ihre Cousine Ännchen (Sopran Maja Tutova aus Lettland) als pragmatisch- vernünftige Vertraute zur Seite steht. Agathe wird durch einen Kranz aus geweihten Rosen gerettet, während Kaspar selbst von der Kugel getroffen wird.

Am Ende wird Max nicht verstoßen, sondern erhält nach einer Probezeit Agathe zur Frau. Der Einsiedler und Fürst verhindern damit, dass Max durch seine Verfehlung endgültig ins Verderben gerät.

„Der Freischütz“ verbindet Liebe, Angst, Aberglauben und die Versuchung durch das Böse. Max lernt, letztlich nicht der Angst und der Versuchung zu folgen, sondern entwickelt vielmehr Vertrauen und Verantwortung, so dass sich alles zum glücklichen Happy End fügt.

Auch wenn Grigoriy Losenkov in seinem Arrangement für ein Streichquartett und vier Opernsänger(innen) das Libretto von Friedrich Kind angesichts des geforderten Espresso-Formats stark komprimieren musste, gelang es gleichwohl einen nicht nur oberflächlichen Eindruck von den Schönheiten der Oper zu vermitteln.

Seitens der Gemeinde hatte einmal mehr Kulturamtsleiterin Nicole Musiol die Opernvorstellung vorbereitet. Im Anschluss sprach sie von einem „wunderbaren Abend mit hervorragender Musik.“

Zwanglos in die Handlung integriert wurde auch Bürgermeister Dr. Martin Mertens, der sich auf der Bühne als Schütze versuchte, später glänzte seine Frau Janine mit einigen weitern Beteiligten in einer Tanzeinlage.

Dr. Kathrin Wappenschmidt, die Leiterin des Kulturzentrums in Sinsteden, hatte schon bei ihrer Begrüßung der Gäste auf den durchschlagenden Erfolg der Opern-Reihe hingewiesen. Martin Mertens pflichtete ihr hierin ausdrücklich bei und nutzte die Gelegenheit, dafür zu werben, bei Besuchen in Sinsteden auch die Rommerskirchener Exponate in den Blick zu nehmen. Der ein männliches Skelett bergende Blei-Sarkophag etwa, der dort ausgestellt ist, könnte, so Mertens‘ archäologisch nur schwer zu erhärtende, doch von großem Lokalpatriotismus zeugende Spekulation, durchaus Romaricus, der potentielle Namensgeber der Gemeinde sein. „So lange ich nicht widerlegt werde, bleibe ich bei dieser These“, so die klare Ansage des Bürgermeisters.

Welche Oper 2027 in Sinsteden präsentiert wird, ist aktuell noch offen. Désirée Brodka zufolge könnt es erneut ein Klassiker von Mozart werden, von dem schon „Cosi fan tutte“ in Sinsteden präsentiert wurde.